14.05.2019

von B° RB

500 Bäume für den Bergwald

DAV-Jugendgruppe der Sektion Pfronten im Gemeindewald aktiv

Nach getaner Arbeit sammeln sich alle Helfer und Leiter des Nachmittages zum Gruppenbild in der frisch aufgepflanzten Steilfläche

Die beiden Schülerinnen Paula Schubert und Angelina Brandl sind sich einig, dass Bäume selbst zu pflanzen richtig viel Spaß macht

Vor der Pflanzung müssen die Bäume in den Hang getragen werden und Pflanzlöcher geschaffen werden. Die jungen Helfer Jakob Baumeister und Maximilian Wünsch sind voller Elan dabei

Am Samstagnachmittag, 5. Mai pflanzten rund 30 Kinder, Jugendliche und Erwachsene der DAV-Sektion Pfronten unter der fachlichen Anleitung des Försters Sebastian Baumeister 500 Jungbäume in eine ca 0,5 ha große, steile Bergwaldfläche, die im Vorjahr den Borkenkäfern zum Opfer fiel. Mit dieser, bereits zum fünften Mal durchgeführten Aktion der DAV-Familiengruppe, fördern die ehrenamtlichen Baumpflanzer einen artenreichen Schutzwald und belohnten sich selbst mit einem unvergesslichen Naturerlebnis.

Dieser Nachmittag ist schon zur Tradition im Familienprogramm der Sektion Pfronten des Deutschen Alpenvereines geworden. Auf Initiative der Familien- gruppenleiterin Sonja Wünsch treffen sich jedes Jahr im Frühjahr zwischen 30 und 50 Jugendliche und Eltern, um im Gemeindewald Bäume zu pflanzen. Der für die Kommune zuständige Förster Sebastian Baumeister leitet diese Aktion und wählt im Vorfeld geeignete Flächen für diese Aktion aus.

Heuer konnte mit der gemeinsamen Pflanzung eine rund einen halben Hektar große Waldfläche am „Manzen“ aufgeforstet werden. Im letzten Jahr mussten in dieser Hangfläche von Käfern befallene Nadelbäume geräumt werden.

Da der Wald in dieser steilen Fläche als Schutzwald die Siedlungen, Wege und Straßen vor Erosionen und in der Folge möglichen Lawinen schützt, sollte der Bereich schnell wieder angepflanzt werden.

So war das Engagement des Alpenvereins der Gemeinde Pfronten auch heuer sehr willkommen, zumal diese Unterstützung derzeit die einzige ehrenamtliche Pflanzaktion im kommunalen Wald ist.

Zunächst mussten vom Treffpunkt im Tal die in mehreren Holzkisten von der Gemeinde bereitgestellten Pflanzen samt Werkzeug zu Fuß rund 300 Meter bergauf zur Sanierungsfläche geschleppt werden.

Nachdem Pfrontens Förster den Helfern erläuterte, warum und wie an dem ausgewählten Hang Bäume gepflanzt werden müssen, machten sich die Kinder, Jugendliche und Erwachsene des Alpenvereins an diesem kühlen und regnerischen Mainachmittag voller Elan an die Arbeit.

„Wir nützen als Alpenvereinsmitglieder die Landschaft ganzjährig für unsere Aktivitäten. Mit dieser, heuer bereits zum fünften Mal durchgeführten Pflanz- aktion, möchten wir der Natur ein Stück zurückgeben“ sagte die Initiatorin Sonja Wünsch. Auch für die angehende Jugendgruppenleiterin Tina Hechen- berger war dieser Nachmittag eine besondere Herzensangelegenheit, „mit dieser Aktion wird den Kindern und Jugendlichen praxisnahes Umweltwissen vermittelt. Den Eifer der Kinder und Jugendlichen zu beobachten, spornt auch die Erwachsenen an, keine Pause zu machen, bis alle Bäumchen verpflanzt sind“, so die DAV-Betreuerin.

In der Steillage unterstützen fachkundig wie tatkräftig die beiden gemeindlichen Waldarbeiter Norbert Fischer und Hans-Peter Haslach sowie Nina Oestreich von der Bergwaldoffensive die Pflanzarbeiten und halfen den Kindern und Jugendlichen bei den Vorbereitungen.

Denn zunächst müssen diese mit einer auch „Wiedehopf“ genannten Kreuzhaue den kargen Waldboden aufhacken und ein Pflanzloch ausheben.

Die Pflanzung soll vor allem unterhalb der nach den Rodungen im Hang ver- bliebenen Wurzelstöcke erfolgen, damit die jungen Bäume vor Schneedruck natürlich geschützt sind. Nachdem der Schutzmantel vom Wurzelballen entfernt wurde, setzen die Helfer die Gehölze in das vorbereitete Loch, häufen den Boden wieder an und festigen abschließend durch einen Tritt mit der Schuhhacke die Pflanzung.

Damit ein artenreicher Mischwald entsteht, werden verschiedene Baumarten gepflanzt. Neben den Nadelbaumarten Lärche und Kiefer pflanzen die Akti- ven Buchen und Mehlbeeren. Vor allem letztere Gehölze kämen mit den schwierigen Bedingungen an den aufgrund der Westlage häufig trockenen Hängen zurecht, „mit dieser Artenmischung etablieren wir dank der regulierten Wilddichte auch ohne Verbißschutz einen stabilen Schutzwald. Da wir in dem Waldgebiet zusätzlich Biotopbäume und liegendes Totholz als Lebensraumgrundlage für seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten, schaffen wir vielfältige Lebensräume für zahlreiche auch seltene Tier- und Pflanzenarten. Dadurch erhöhen wir die Biodiversität im Schutzwald“ so Förster Sebastian Baumeister.

Damit werde das von der Bayerischen Staatsministerin für Ernährung, Land- wirtschaft und Forsten Michaela Kaniber für das Jahr 2019 ausgegebene Motto auch in Pfrontens Wald unter Einbezug der Kinder und Jugendlichen in die Praxis umgesetzt, so Baumeister weiter.

Die jungen Helfer selbst mühen sich nach Kräften, die jungen Bäume in den steilen Hang zu pflanzen.

„Mir gefällt besonders, dass wir hier ohne Zeitdruck arbeiten können und selbst entscheiden dürfen, wo wir die Bäume pflanzen“ sagt die 13jährige Paula Schubert. Ihre gleichaltrige Freundin Angelina Brandl ist schon das vierte Mal dabei. „Wir macht es richtig viel Spaß mit eigenen Händen die zar- ten Bäumchen einzupflanzen“ ergänzt die Schülerin.

Auch der erste Vorstand des Pfrontener Alpenvereins Matthias Kiechle freut sich über das Engagement des Nachwuchs. In seinen Dankesworten am Ende des Nachmittags verspricht der Sektionschef diese Aktion auch im nächsten Jahr in Kooperation mit der Gemeinde wiederholen zu wollen. Der örtliche Alpenverein engagiere sich voller Überzeugung, „über die Freihaltung der mit allen Behörden und Grundstückeigentümern einvernehmlich gefunden Skiroute auf den Edelsberg setzen wir das DAV-Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“ in Pfronten tatkräftig um. Und auch mit dieser Pflanzaktion be- treiben wir aktive Landschaftspflege und leisten zugleich Umweltbildung für unsere jungen Mitglieder. Damit verwirklichen wir unsere Alpenvereinsziele sinnvoll vor Ort“ freut sich Pfrontens Sektionschef über den gelungenen Nachmittag.

Zuvor hatten sich alle Teilnehmer nach getaner Arbeit an Ort und Stelle mit einer kleinen Brotzeit gestärkt und blickten voller Stolz auf die von Ihnen angepflanzte Hangfläche.

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